12.01. - 15.01.2026 / Agra

Montag, 12.01.

Nach dem Frühstück hab ich gepackt und war froh, dieses Hotel endlich verlassen zu dürfen. Sanjay hat mich um 10 Uhr abgeholt und zu einem Shop gefahren, dem Womans Craft Shop. Dort konnte man mit seinem Einkauf die Arbeit der Frauen in der Region unterstützen. Ein Mann hat mich direkt empfangen und mir alles gezeigt: Patchworkdecken, Tiger-Gemälde (die echt schön waren), Kaschmir-Schals, bestickte Kissen, Teppiche… Als wir bei den T-Shirts ankamen, war ich dann interessiert. Hab mir dann für 600 INR (= 6 €) ein Tiger-Tshirt als Erinnerung gekauft.

Dann sind wir auf die andere Seite der Brücke gefahren und haben bei einer kleinen Öl-Fabrik angehalten. Mustard-Oil - ich wusste garnicht, dass man auch aus Senf Öl pressen kann. Die Maschinen waren eklig und als mir dann noch eine Maus begegnete, während ich die Maschinen gezeigt bekam, wars aus bei mir. Dennoch musste ich mich hinsetzen und warten, weil Sanjay Öl für sich kaufen wollte. Am Ende hat er 30 Liter gekauft - für Bekannte und Freunde gleich mit. Während der Wartezeit haben wir einen Chai bekommen und der Inhaber hat mir seine Tochter vorgestellt. Ein Glück war sie nicht interessiert. ;-)

Danach haben wir auf dem Weg an der Straße angehalten und an einem Stand Guavas gekauft. Später haben wir angehalten und am Straßenrand hat Sanjay sie gewaschen und aufgeschnitten. Sie sahen seltsam aus, aber sie schmeckten gut! Nur die Kerne waren ziemlich hart. Aber ich hab eine Kleine komplett aufgegessen.

Nachmittags haben wir dann wieder an einem Restaurant angehalten. Ich war fast der einzige Gast und die Bewertungen sprachen wieder für sich: es war der nächste Scam. Aber irgendwie hatte ich es jetzt verstanden: der Fahrer hält dort an, weil er eh eine Pause machen muss und dort umsonst essen und zur Toilette kann. Ich glaub nicht, dass er es böse meint, sondern eher keine Alternative hat. Also habe ich brav etwas bestellt und für Käse in Soße mit Reis umgerechnet 15 € bezahlt. Den Souvenir-Shop ließ ich an mir vorbei ziehen und dann gings zum Glück auch schon weiter.

Es wurde schon dunkel, als wir in Agra ankamen. Es war unheimlich viel Verkehr und Sanjay schien genauso müde zu sein wie ich. Für die letzten Kilometer haben wir eine gefühlte Ewigkeit gebraucht, weil einige Spuren wegen dem Ausbau der Metro gesperrt waren. Aber gegen 18:40 Uhr haben wir dann endlich das von mir gebuchte Doubletree by Hilton Agra erreicht. Beim Einchecken gab es einen warmen Cookie, und weil ich den gleich gemampft hab, hab ich für den Weg aufs Zimmer noch einen bekommen. Das Zimmer war groß, luxuriös und entsprach ganz meinen Vorstellungen. Das erste Zimmer in Indien, in dem ich mich richtig wohlfühlen kann - und das sogar für 3 Nächte! :-)


Dienstag, 13.01.

Die Nacht war so gut, dass ich bis zum Wecker um 07:30 Uhr tief und fest geschlafen hab. Dann musste ich mich erstmal orientieren. Die Dusche war toll und gegen 08:45 Uhr bin ich zum Frühstück gegangen. Das war interessant: sie haben viele indische Speisen, aber auch ganz normale Sachen wie Toast, viele Süßspeisen wie Muffins etc., eine Eierstation und sogar eine Waffel- und Crepes-Station. Der Chai war allerdings nicht ganz so lecker wie die bisherigen.

Als ich um 10 Uhr aus dem Hotel tritt, wurde ich ab der Lobby von einem Mann verfolgt - das war mein Guide, der in der Lobby auf mich gewartet hatte. ;-) Aber woher sollte ich das wissen - es hatte niemand etwas zu mir gesagt. Zusammen sind wir ins Auto gestiegen, haben Sanjay begrüßt und sind direkt zum Taj Mahal gefahren. Eigentlich wollte ich da ja schon zu einer früheren Uhrzeit hin, weil überall steht, man solle 30 Min. vor Sonnenaufgang dort sein, um den Menschenmassen zu entgehen. Aber als ich das Sanjay gestern sagte, meinte er, dass ich später gehen solle, weil es dann bessere Bilder geben würde. Auch der Guide hatte ihm wohl gesagt, dass das Wetter nicht so gut sei und später deshalb besser sei. Sie sollten Recht behalten: wir hielten an und sind die 500m zum Westeingang gegangen. Dann hat der Guide mir Schuh-Überzieher besorgt und wir sind zusammen zum Eingang. Es gab keinerlei Warteschlangen - weder vor dem Eingang, noch vor der Sicherheitskontrolle. Die war ziemlich streng: man durfte nichts zu Essen mit rein nehmen. Selbst Kaugummis und Streichhölzer wurden konfisziert. Da ich aber nichts im Rucksack hatte außer meine Kamera und eine kleine Flasche Wasser, war das kein Problem. Danach hat der Guide mir einiges zur Vorgeschichte und den unterschiedlichen Eingängen erzählt und dann sind wir durch den Haupteingang in den Vorgarten des Taj Mahal gegangen. Wow - was für ein beeindruckendes Gebäude! Es war, wie ich es schon oft gelesen hatte: Das Taj Mahal zieht die Blicke auf sich und man kann sich dem kaum entziehen. Die vielen Menschen um mich rum waren mir plötzlich total egal. Ich hab von Anfang an viele Fotos gemacht und konnte meine Augen kaum vom Gebäude abwenden. Selbst als der Guide wieder zu erzählen begann, war ich irgendwie abgelenkt. So lange hatte ich mir schon gewünscht, das Taj Mahal mal live zu sehen - und nun war es endlich soweit!

Die Worte „Taj Mahal“ sind übrigens nicht Hindi, sondern persisch. 'Taj' bedeutet Krone und 'Mahal' bedeutet Palast, also 'Kronen Palast'. Die Einflüsse in dem Gebäude sind sowohl hinduistisch als auch aus dem Islam. Der weiße Marmor, mit dem das Gebäude verkleidet ist, ist aus einer ca. 350 km entfernten Stadt in Indien hierher transportiert worden und ist einer der härtesten der Welt. Die Steine wurden vor den Toren des Gartens bearbeitet und dann wie beim Bau der Pyramiden mit Rampen und Holzstämmen an ihren Platz befördert. Damals gab es noch keinen Zement oder Beton, deshalb wurden die Steine ohne Kleber so mit einander verzahnt und verbunden, dass sie bis heute halten. Die Blumen, die das Gebäude zieren, sind nicht aufgemalt, sondern bestehen aus einzelnen Edelsteinen. Lapislazuli (blau), Koralle (orange), Onyxe (schwarz), Türkise (türkis), Jade (grün) und viele mehr wurden verwendet. Diese wurden allerdings mit einem Kleber eingesetzt, dessen Zusammensetzung geheim ist.

Wir haben von außen viele Bilder gemacht und der Guide hat mir unheimlich viel erklärt. Dann sind wir in Mausoleum hinein gegangen, wo man leider keine Bilder machen darf. Innen sind die Verzierungen noch eine Spur edler und man kann im Uhrzeigersinn um die beiden Grabsteine gehen. Der kleinere ist die Frau, für die das Gebäude gemacht wurde. Sie soll am Sterbebett zu ihrem Mann gesagt haben, dass sie von ihm verlangt, dass er sich um die Kinder kümmert und dass er der Welt zeigen solle, wie sehr er sie liebt. Diesem Wunsch haben wir also dieses wahnsinnig tolle Gebäude zu verdanken. Neben ihr ist ein größerer Grabstein, der für den Mogul steht. Beide Grabsteine sind allerdings leer, denn das richtige Mausoleum befindet sich unter dem für Touristen zugänglichen Teil. Da kann man nur an sehr wenigen Tagen im Jahr hin, die um den Geburtstag des Moguls liegen.

Hinter dem Taj Mahal ist der Fluss Yamuna, der zweitheiligste Fluss Indiens (der Heiligste ist natürlich der Ganges). Der Yamuna ist leider ziemlich dreckig und nicht wirklich schön anzusehen.

Dann haben wir uns noch das Gebäude rechts neben dem Taj angeschaut. Es war früher das Gästehaus - die gegenüberliegende Moschee kann nicht besichtigt werden. Sie wird nur freitags fürs Freitagsgebet geöffnet.

Anschließend sind wir durch den Garten zurück zum Eingang und dann zu Fuß dahin, wo wir hergekommen waren. Ich hatte schon nach dem Fahrer Ausschau gehalten, aber der Guide meinte, zu unserem nächsten Ziel, dem Agra Fort, würden wir besser mit der Metro fahren.  Die Tickets kosteten nur 10 Rupien, also 0,10 €. Als wir unten ankamen, war alles sauber und sah ziemlich neu aus. Wir mussten 5 Min. warten, dann kam die Bahn - und sie war leer. Unglaublich! Wir sind dann leider nur eine Station gefahren, aber die Fahrt war toll. Als wir rauskamen, waren wir direkt vor dem Agra Fort. Da meine Online-Ticketbuchung von unterwegs leider nicht geklappt hat, sind wir zum Schalter, wo bei „Foreigners“ niemand anstand. Für 600 Rupien kam ich rein. Das Fort war ziemlich groß, allerdings konnte man nur 20 % besichtigen. Die anderen 80 % werden von der indischen Armee genutzt. Zur britischen Besatzungszeit wurde einiges zerstört und auch damals schon wurden die gleichen Teile von der Army benutzt.

Zu sehen gab es aber einen roten Teil aus rotem Sandstein und einen weißen Teil aus weißem Marmor - das war der Teil, den Shah Jahan (dem Erbauer des Taj Mahal) gestaltet hat. Insgesamt wurde das Fort von 4 Mogulen gestaltet, deshalb gab es auch hier islamische und hinduistische Stile. Ab beeindruckendsten war aber der Teil, in dem Shah Jahan sein Exil verbracht hat. Weißer, mit Blumen verzierter Marmor mit einem Brunnen und einer großen Terrasse mit Blick auf das Taj Mahal. 8 Jahre musste er hier verbringen, bevor er starb. Er hatte nämlich vor, auf der anderen Flussseite ein weiteres Taj Mahal ganz in schwarz zu bauen, in dem er selbst beerdigt werden wollte. Bevor die Arbeiten aber begonnen haben, wurde er von seinem Sohn gestürzt und musste im Fort im Exil leben. Seine Tochter sorgte dann aber immerhin dafür, dass er im Taj Mahal neben seiner geliebten Frau beigesetzt wurde, damit er ihr  auch im Tode möglichst nah sein konnte.

Nach der Besichtigung des Forts sind wir mit der Metro zum The Salt Café gefahren, wo ich mein Mittagessen einehmen sollte. Das Restaurant war auf einer Terrasse, die oben auf einem Gebäude lag. Man hatte sogar einen Ausblick auf das Taj Mahal und das Essen war sehr lecker.

Danach haben wir Sanjay wiedergetroffen und sind zu einer Firma gefahren, die Marmor-Platten verziert - und zwar genau auf die Art, wie es damals beim Taj Mahal gemacht wurde. Es gab eine kleine Vorführung, wo ich ausprobieren konnte, wie hart der Marmor ist. Danach wurde ich in einen Raum geführt, wo viele Sachen ausgestellt waren: von verzierten Platten und Tellern über Untersetzer und Kästchen bis hin zu größeren Sachen. Im Nebenraum haben sie mir dann noch die Tischplatten gezeigt - eine schöner als die andere. Natürlich gab es auch verzierte Elefanten etc.. Letztendlich hab ich mich für einen Untersetzer entschieden.

Danach haben wir den Guide irgendwo abgesetzt und Sanjay hat mich zurück zu meinem Hotel gefahren. Gegen 17 Uhr war ich wieder auf dem Zimmer. Was für ein toller Tag!

 

Mittwoch, 14.01.

Heute konnte ich ausschlafen und bin erst so gegen 9 Uhr aufgestanden. Danach ging es entspannt zum Frühstück und ich hab den weiteren Vormittag vertrödelt.

Um 13 Uhr hat Sanjay mich abgeholt und wir sind zum Baby Taj Mahal gefahren, was eigentlich Itmad-ud-Daula heißt. Es war natürlich nicht annähernd so beeindruckend wie das richtige Taj Mahal, aber wenn man die Geschichte beachtet, dass eine Tochter es für ihren Vater zur Erinnerung erbauen ließ, ist es interessant. Auch die Kunstwerke im Marmor sind vergleichbar, nur mit weniger Edelsteinen. Und auch die Ausrichtung zum Fluss Yamuna und die 4 Eingangstore sind ähnlich wie beim Original. Wenn man bedenkt, dass das hier allerdings schon vor dem Original gestanden haben sollte, könnte man auf die Idee kommen, dass Shah Jahan es als Inspiration dafür genommen hat.

Leider hatte ich heute keinen Guide, weshalb ich nach ca. 30 Min. auch schon fertig war mit der Besichtigung. Als ich zurück zum Auto kam, war Sanjay nicht da. Dafür aber ein Magnet-Verkäufer. :-( Hab mich aber nicht beirren lassen und bin standhaft geblieben, bis mein Fahrer zurück war.

Dann gings zum Lunch in ein winziges Restaurant. Ich dachte schon, es sei wieder ein Scam, aber Sanjay behauptete, dass hier das Essen frisch und lecker sei. Und er hatte Recht: es war das beste Chicken Tikka Masala und Butter-Naan, was ich in Indien gegessen hab. Sehr gut gewürzt und das Hähnchenfleisch war durchgebraten und meist Hähnchenbrust. Hab fast alles aufgegessen und der Inhaber des Restaurants war begeistert, dass es mir so gut geschmeckt hat.

Dann brachte Sanjay mich zurück zum Hotel.

 

Donnerstag, 15.01.

Nach dem Frühstück hab ich ausgecheckt und bin gegen 10 Uhr zu Sanjay ins Auto gestiegen. Dann sind wir losgefahren und er hat noch kurz an einem Stand gehalten, um seiner Tochter eine Süßspeise mitzubringen. Mir hat er etwas zum probieren gebracht, aber die in Sirup getauchte frittierte Teigtasche war nicht so meins. Dann sind wir aus Agra raus gefahren und haben beim Akbar Tomb gehalten. Ich sollte mir 30 - 40 Min. Zeit lassen, also bin ich gemütlich durch die Anlage geschlendert. Es war total wenig los und die Sonne hat so schön geschienen, dass ich es echt genießen konnte. Der Eingang zum Tomb war zwar ein bissle gruselig so alleine, aber als ich wieder raus kam, kam mir eine Meute Inder entgegen - da war ich dann froh, dass ich es mir vorher alleine anschauen konnte. Außer dem Tomb gab es noch 2 weitere Mausoleen zu besichtigen. Insgesamt war ich glaub über eine Stunde dort, weil die Stimmung so toll und die Sonne so warm war.

Anschließend sind wir Richtung Delhi aufgebrochen. Kurz vor der Grenze zum Bundesstaat Haryana haben wir an einem Restaurant (Lucky 9) angehalten. Diesmal kam Sanjay mit rein und zeigte mir die Toiletten und den Tisch. Dann hat er mir bei der Bestellung geholfen und draußen im Auto auf mich gewartet. Es gab nur vegetarisches Essen und ich hatte absolut köstliche Paneer Butter Masala mit Butter Naan und einer Sprite. Als die Rechnung kam, war ich überrascht: alles zusammen mit einer 1 Liter-Flasche Wasser und Steuern sollte es nur 517 INR (ca. 5 €) kosten! Da sieht man mal wieder, dass die anderen Restaurants mit ihren Rechnungsbeträgen zwischen 15 und 20 € mächtig aufgeschlagen haben…

Anschließend gings weiter zum Hotel. Die letzten 11 Kilometer waren wieder schrecklich, weil absoluter Stillstand auf der Straße herrschte. Aber Sanjay hat die Nerven behalten und mich sicher in mein Flughafenhotel, das Novotel Aerocity, gebracht. Dort haben wir uns von einander verabschiedet und natürlich hat er ein stattliches Trinkgeld bekommen.

Auf dem Zimmer angekommen hab ich meinen Koffer ausgeleert und neu gepackt, damit ich ihn morgen gut zu bekomme. Bin schon ziemlich aufgeregt wegen dem Flug morgen. Hoffentlich klappt alles…

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