08.01. - 09.01.2026 / Jaipur

Donnerstag, 08.01.

Nach einem sehr spärlichen Frühstück hab ich ausgecheckt und um 09:30 Uhr sind wir im Hotel aufgebrochen. Unterwegs fragte mich Sanjay, ob ich Lust auf einen letzten Chai-Tee hätte. Natürlich hatte ich das, also fuhren wir erneut zu dem Straßenverkauf und haben einen Tee getrunken. Danach gings dann durch dichten Verkehr raus aus der Stadt. Der Nebel hat uns ziemlich lange begleitet. Nach einem Tankstopp hat er mich bei einem Restaurant abgesetzt, wo ich etwas essen sollte. Hab dann mutig Malei Kofta Kesari (ein vegetarisches Gericht) bestellt. Als ich die Internet-Bewertungen gelesen hab, wurde mir aber anders: das Restaurant wurden von allen als völlige Touristenfalle beschrieben. Die Fahrer bekämen wohl eine Provision und kostenloses Essen, wenn sie ihre Gäste hier her bringen. Als das Essen kam, wusste ich auch warum alle Bewertungen so schlecht waren. Die Portion war klein und schmeckte nach garnichts. Oh Mann, hoffentlich werde ich das Essen wenigstens gut vertragen! Die Rechnung war dafür sehr teuer und dreister Weise wurden auch noch 10% Aufschlag raufgerechnet, außerhalb der eigentlichen Rechnung. Was für eine Abzocke!

Als ich Sanjay dann auf seine Frage, wie es war, ehrlich geantwortet hab, wirkte er betroffen. Er hat dann zugegeben, dass er dort einen Freund getroffen hat und sie zusammen etwas zu Essen bekommen haben. Also stimmt das, was im Internet steht. Aber ich hatte ja keine andere Wahl.

Danach gings weiter und er hat mir ein paar Affen gezeigt, die direkt an der Straße saßen und auf Futter warteten. Als das Auto anhielt, sprang einer direkt an den Spiegel und der andere auf die Motorhaube. Aber da wir nichts zu essen dabei hatten, waren wir schnell uninteressant und konnten weiterfahren. 

Anschließend wollte mir Sanjay die Elefanten von Jaipur zeigen. Wir sind dann zu 'Elejungel' gefahren und ein junger Mann hat mir erklärt, was man da alles machen könnte: auf Elefanten reiten, sie bemahlen, füttern (für gutes Karma) oder mit ihnen Spazieren gehen. Das sah für mich alles schon ziemlich seltsam aus, aber da ich unbedingt einen indischen Elefanten sehen wollte, habe ich den Spaziergang gebucht. Er würde laut dem Guide nur 10 Minuten dauern…

Anschließend ging er mit mir nach hinten, wo bereits ein angemalter Elefant stand und ziemlich apathisch wirkte. Dann ging ein Tor auf, und weitere Elefanten kamen herein, wo jeweils 2 Personen drauf saßen. Es war einfach nur schrecklich - mir taten die Tiere sooo leid! Dann war ein Elefant "frei" und ich sollte mit dem Guide um eine Ecke laufen und durch ein Tor in einen Innenhof mit Rasen und Bäumen. Der Elefant kam hinterher und dann hatte ich genau das, was ich nicht wollte: ein bemalter Elefant auf dem eine Person saß, mit dem ich dann spazieren gehen sollte. Der Elefant wollte natürlich nicht, und so sollte ich ein paar Kommandos rufen, damit er gerade aus bzw. um die Kurve ging. Als wenn er das nicht selbst sehen könnte! Ich bin dann eine Runde gegangen und hab versucht, mit dem Elefant zu kommunizieren, aber er war so in seiner Welt, dass er auf nichts reagiert hat. Noch nicht mal auf die indischen Kommandos, die ich brüllen sollte. Nach einer Runde hab ich gesagt, dass es mir reichen würde und habe abgebrochen. Ich habe mich unglaublich schlecht gefühlt, weil ich mit meinem Geld diese Tierquälerei auch noch unterstütz habe! :-((( Oh Mann…

Sanjay hat dann gefragt, wie ich es fand, und ich hab ihm meine Meinung dazu gesagt. Das konnte er nicht verstehen, weil der letzte Gast aus Deutschland dort wohl mind. eine Stunde verbracht hätte und es so toll gefunden hätte! Wers glaubt…

Danach hat er mich durch den dichten Feierabendverkehr zu meinem Hotel in Jaipur gebracht, dem Khandela Haveli - ein Boutique Hotel. Es sah richtig schön aus! Leider lag mein Zimmer aber im Erdgeschoss und war eiskalt. Der kleine Heizlüfter war zwar auf voller Stufe an, aber gegen den großen Raum mit der über 5 Meter hohen Decke hat er keine Chance.

Das Restaurant für das Abendessen liegt auf dem Dach und ist nicht überdacht. Bei windigen 12 Grad ohne Decke etwas zu essen ist eine völlig neue Erfahrung. Eigentlich wollte ich eine halbe Portion Butter Chicken bestellen, aber da es das nicht ohne Knochen gab, musste ich Chicken Tikka Massala bestellen. Geschmacklich wars ok, aber das Fleisch war irgendwie nur halb gar. Hab dann nur Reis mit Soße gegessen und hoffe einfach, dass ich es gut vertrage.


Freitag, 09.01.

Heute Morgen bin ich in einem eiskalten Zimmer aufgewacht, weil ich mich aus Angst vor einem Brand nicht getraut hab, den kleinen Heizofen nachts weiterlaufen zu lassen. Immerhin war das Wasser warm, sodass ich nach dem Duschen wieder aufgewärmt war.

Nach dem Frühstück sind wir gegen 09:00 Uhr losgefahren und haben den Guide eingesammelt, der mir heute auf einer Ganztagestour die Stadt zeigen wird. Erster Halt war das Hawa Mahal - eine Häuserfassade, wo früher die Frauen der Maharadschas hinter den Fenstern gesessen haben und die Straßenparaden angeschaut haben. Dann gings weiter nach Panna Meena ka Kund - ein Treppenbrunnen. Danach haben wir das Amber Fort angeschaut - ein großer Palast mit interessanter Geschichte. Ein Maharadscha hatte 12 Frauen, weil er aus jeder Provinz in der Gegend die Prinzessin geheiratet hat, um deren Unterstützung bei den Konflikten mit anderen zu haben. Jede hatte im Palast ihre eigenen Bereiche, und er konnte jeweils über eine Treppe heimlich zu ihnen runter gehen, ohne dass die anderen es gemerkt hätten. Allerdings gab es einen Innenhof, wo sie sich treffen konnten - als wenn die nicht getratscht hätten! ;-)

Anschließend ging es zum Jal Mahal - dem Palast im See. Da konnte man nur vom Ufer aus hinschauen. Dann wollte mir der Guide eine Fabrik zeigen, die mit Naturfarben Stoffe bedrucken - mit diesen Farben wurden auch die Wände des Amber Forts bemalt. Leider war gerade niemand am arbeiten, weil es zu kalt war. Aber ein Mann hat mir die Drucktechnik an einem kleinen Bild gezeigt und dann sollte ich nach hinten in den Shop gehen und etwas kaufen - also mal wieder ein Scam. Hab mir dann Tischdecken, Gardinen, Tischsets und vieles mehr zeigen lassen, bin danach aber wieder raus gegangen. Sanjay und der Guide hatten gerade einen Tee bekommen und wollten mir auch einen anbieten, aber das war mir irgendwie suspekt. Sie haben sich dann beeilt mit dem Trinken und wir sind weitergefahren. Dann gings weiter zu Jantar Mantar - einer Observatoriumsanlage mit Sonnenuhren und anderen Messinstrumenten. Unglaublich, wie genau das damals schon gemessen werden konnte! Sogar die Sternzeichen konnte man ablesen.

Danach haben wir den City Palace angeschaut, wo heute noch ein Maharadscha lebt. Die Tour durch den Palast hätte allerdings 5.000 Rupien gekostet (= 50 €). Das war mir ein bisschen zu viel. Also hab ich das normale Ticket gekauft und bin durch ein paar Museen und Innenhöfe geführt worden. War nicht sonderlich spektakulär.

Dann gabs eine Mittagspause in einem Restaurant, wo nur weiße Touristen an den Tischen saßen. Hab ein Butter Chicken mit Reis und einen Mango Lassi bestellt. Geschmacklich wars ok, aber bissle zu scharf und das Hähnchen konnte ich nicht essen, weil es wieder nur halb gar war. :-( Danach hat es ziemlich in meinem Bauch gegrummelt, aber die Toilette war so eklig, dass ich dort nicht gehen konnte.

Als ich rauskam, wartete der Guide schon auf mich, aber nur um zu verkünden, dass die Tour jetzt vorbei sei. Hä, dachte ich, die sollte doch den ganzen Tag gehen!? Ja, aber ich hätte nun schon alles gesehen, was die Stadt zu bieten hat. Und zur Teppich-Weberei (die er mir angeboten hatte) wollte ich nicht - keinen Bock auf einen weiteren Scam. Ich hätte noch durch die Straßen laufen können, aber da war mir zu viel Chaos. War dann froh, als der Guide weg war und Sanjay mich zum Hotel zurückgefahren hat. Das Zimmer war zwar eiskalt und dunkel, aber für die Stadt hatte ich keine Nerven mehr. Hab dann den Heizlüfter an gemacht und mir nochmal die Dachterrasse bei Tageslicht angeschaut.

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